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Tipps zum Umgang mit Süßigkeiten
Wer kennt sie nicht, diese Frage: "Mami, krieg ich was Süßes?" Kaum hat der Tag begonnen, geht es los. Süßigkeiten sind aus unserer Kultur inzwischen genauso wenig wegzudenken wie Autos oder Fernsehen. Anstatt sie also zu verteufeln und ganz aus dem Leben der Kinder zu verbannen, sollte es unser Ziel sein, den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang damit beizubringen. Doch wie mache ich das, wenn an jeder Supermarktkasse und an jedem Kiosk die "Versuchung" lauert?
Um es nicht zu Machtkämpfen kommen zu lassen, die uns Kraft
und Nerven kosten und den Familienfrieden stören, brauchen wir eine Regelung,
die unseren Vorstellungen und dem Verlangen der Kinder nach Süßem entspricht.
Wir haben folgende Lösung gefunden, die inzwischen viele Jahre erprobt wurde
und sich bewährt hat: Jedes Kind hat eine eigene Dose mit Süßigkeiten (z.B.
eine alte Keksdose, die beklebt und mit dem Namen des Kindes versehen wurde).
In diese Dose wird zu Beginn der Woche die "Wochenration" an Süßigkeiten
hineingelegt. Jedes Kind erhält für jeden Tag eine Kleinigkeit - entsprechend
dem jeweiligen Alter. Täglich zwischen 14.30 Uhr und 16.30 Uhr ist "Süßizeit".
Jedes Kind darf naschen, soviel es möchte. Das Kind kann selbst entscheiden, ob
es am ersten Tag alles aufisst oder ob es sich seine Wochenration einteilt. Ist
die Dose vor dem Wochenende leer, bleibt sie es bis zum nächsten Füllen. Für
den Rest der Woche gibt es dann keine Süßigkeiten mehr.
Ist das Kind bei einem Freund und isst dort Süßigkeiten, nehmen wir uns die Freiheit, eine "Tagesration" aus der "Süßidose" des Kindes zu entnehmen, denn es hat ja an diesem Tag etwas Süßes gehabt.
Sind Freunde der Kinder zu Besuch, müssen sie diesen selbstverständlich etwas abgeben.
Ausnahmen sind Geburtstage und Feiertage wie Weihnachten und Ostern. An diesen Tagen herrscht sowieso "Ausnahmezustand". Da wird generell mehr Süßes gegessen als sonst. Auch in der Adventszeit wird der Inhalt des Adventskalenders nicht zur Tagesration dazugerechnet, sondern darf zusätzlich gegessen werden.
Befüllt werden die Dosen der Kinder übrigens mit den Süßigkeiten, die die Kinder zu Geburtstagen oder auch ohne Anlass von Verwandten und Freunden geschenkt bekommen. Diese werden von uns sozusagen "verwaltet". Sollte der Vorrat eines Kindes einmal aufgebraucht sein, was nahezu nie vorkommt, wird er von uns ergänzt. Diese Regelung wird von uns beibehalten, bis das Kind 14 Jahre alt ist. Danach ist es davon "befreit", weil wir ihm genügend Eigenverantwortung zutrauen.
Nach nun 13 Jahren Erprobungszeit können wir feststellen, dass erstaunlicherweise keins unserer fünf Kinder jemals seinen gesamten Doseninhalt auf einmal aufgegessen hat. Vielmehr war häufig am Ende der Woche noch etwas übrig. Unsere Jüngste verschenkt sogar oft noch etwas von ihrem Anteil. Auch Tauschgeschäfte sind erlaubt, wobei man allerdings darauf achten sollte, dass die Großen die Kleinen nicht übervorteilen
Reinhild Fischer